Wer oder was ist Gott – und wo, wann bzw. wie können wir ihm begegnen?
Menschen brauchen scheinbar ihr "Theater" bzw. ihr "goldenes Kalb"... Oder? Menschen wollen / brauchen Sicherheit und Gewissheit. Sie wollen Antworten auf ihre Fragen. Sie suchen und wollen finden.
Ich wurde zu diesem Blogbeitrag angeregt durch einen Facebook-Post:
ZDF-Fernsehgottesdienst vom 09. August 2026 mit der Frage:
"Wo begegnet uns Gott?"
Die folgenden Fragen sind nicht nur philosophisch, sondern auch für das praktische Leben, für den Alltag durchaus berechtigt: Wer oder was ist Gott – und wo, wann bzw. wie können wir ihm begegnen?
"Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?"
In 10 Strophen erschien erstmals im Jahr 1653 dieses protestantische Kirchenlied des Kirchenmusikers Paul Gerhardt (1607–1676).
Finden und begegnen wir Gott...
...in der Natur, im Bestaunen der Schöpfung
...in Gottesdiensten
...im Abendmahl (im Brot und Wein)
...im gütigen und liebevollen Handeln dem Nächsten gegenüber
...im Gebet
...in der Stille
...in der Meditation
...im ethischen Handeln
...im Glück, im Erfolg
...in der Arbeit
...im "Jüngsten Gericht"
...in der Liebe
...in Gott selbst
?
Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass sie Gott u. a. bereits jetzt im "Brot und Wein" erfahren und eucharistisch in der Feier des Abendmahls empfangen. Martin Luther sprach in seinem Sermon vom Abendmahl (1519) davon, dass das Zeichen die Bedeutung von etwas anzeigt. Ich zeige etwas in Form eines Zeichens (Symbol). Das Zeichen zeigt die Bedeutung an. Brot und Wein als Zeichen deuten auf die Bedeutung des Abendmahls hin.
Der (jüdische, christliche, islamische) Monotheismus neigt insofern zur Antwort: "Das ist Gott!" So können wir Gott begegnen und ihn erfahren.
Der Monotheismus spricht zwar auch sozusagen vom "Mysterium Gottes".
Der Monotheismus versucht, dogmatisch und exegetisch durch theologische Aussagen Antworten auf die Frage(n) nach Gott zu geben.
Ubi caritas et amor
Anonymus
Lateinisch:
Ubi caritas et amor, Deus ibi est.
Congregavit nos in unum Christi amor.
Exultemus et in ipso iucundemur.
Timeamus et amemus Deum vivum.
Et ex corde diligamus nos sincero.
Simul ergo cum in unum congregamur:
Ne nos mente dividamur, caveamus.
Cessent iurgia maligna, cessent lites.
Et in medio nostri sit Christus Deus.
Simul quoque cum beatis videamus
Glorianter vultum tuum, Christe Deus:
Gaudium, quod est immensum atque probum,
Sæcula per infinita sæculorum. Amen
Deutsch:
Da, wo Zutraun weilt und Liebe da ist Gott auch.
Ganz in eins hat uns gesammelt Christi Liebe.
Laßt uns jauchzen und frohlocken in dem Selben.
Laßt uns fürchten Gott und lieben, den Lebendigen,
Und einander aus des Herzens Einfalt lieben.
Wie wir nun in ein Verbündnis uns gesellen,
Laßt im Herzen Uneinswerden uns vermeiden.
Fort mit jedem bösen Hader, jeder Zwietracht;
Christus, unser Gott, verweile uns inmitten;
Bis wir alle mit den Seligen dürfen schauen
Froh der Herrlichkeit dein Antzlitz, Gott o Christus:
Jene Freude, die unmeßbar ist und währschaft,
Ewig durch die grenzenlose Zeit der Zeiten. Amen
Deutsch von Hans Rosenberg
https://hymnarium.de/hymni-breviarii/diversa/73-ubi-caritas-et-amor.html
Die Bibel beantwortet die Frage nicht mit einer einzigen Definition, sondern zeichnet ein umfassendes Bild davon, wer Gott ist, wo er gegenwärtig ist und wie Menschen ihm begegnen können.
Dazu zunächst die folgenden fünf Abschnitte:
1. Wer ist Gott?
Die Bibel beschreibt Gott zunächst als den Schöpfer und Ursprung allen Lebens:
„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
— 1. Mose 1,1
Gott ist dabei nicht einfach „eine höhere Macht“. Er wird als Person beschrieben, die denkt, spricht, liebt, will und handelt. Zugleich ist er einzigartig und nicht mit der Schöpfung gleichzusetzen.
In 2. Mose 3,14 stellt Gott sich Mose mit den Worten vor:
„Ich bin, der ich bin.“
Damit wird etwas von seiner Unabhängigkeit und seinem Wesen ausgedrückt: Gott ist aus sich selbst heraus und nicht von etwas anderem abhängig.
2. Wie ist Gott?
Die Bibel nennt verschiedene Eigenschaften Gottes:
- Liebe: „Gott ist Liebe.“ (1. Johannes 4,8)
- Heilig: Gott ist vollkommen und von allem Bösen getrennt.
- Gerecht: Er richtet nicht willkürlich, sondern gerecht.
- Barmherzig und gnädig: Er wendet sich dem Menschen trotz seiner Schuld zu.
- Treue: Auf Gott ist Verlass.
- Allmächtig: Nichts ist seiner Macht letztlich entzogen.
- Allwissend: Gott kennt den Menschen und seine Gedanken.
Dabei ist eine der erstaunlichsten Aussagen der Bibel: Der große und heilige Gott möchte Beziehung zum Menschen.
3. Wo ist Gott?
Die biblische Antwort lautet zunächst: Gott ist nicht auf einen bestimmten Ort begrenzt.
Psalm 139 beschreibt diese Gegenwart sehr eindrücklich:
„Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?“
Gott ist also nicht nur in einem Tempel, einer Kirche oder an einem „heiligen Ort“ zu finden.
Und doch gibt es in der Bibel einen besonderen Gedanken: Gott kommt dem Menschen entgegen.
Im Alten Testament begegnet Gott Menschen beispielsweise in der Schöpfung, durch sein Wort, durch Propheten und in besonderer Weise im Heiligtum.
Im Neuen Testament wird diese Gegenwart Gottes dann noch konkreter.
4. Wo können wir Gott begegnen?
Hier liegt vielleicht die wichtigste Antwort der Bibel:
Nach christlichem Verständnis begegnet der Mensch Gott in Jesus Christus.
Johannes schreibt:
„Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborene Sohn […] hat ihn kundgemacht.“
— Johannes 1,18
Und Jesus sagt:
„Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“
— Johannes 14,9
Jesus ist damit nicht nur jemand, der über Gott spricht. Im christlichen Glauben macht Jesus Gott selbst sichtbar und erkennbar.
Deshalb könnte man die biblische Antwort auf die Eingangsfrage so zusammenfassen:
Wer ist Gott? – Der Schöpfer, der heilige und liebende Gott.
Wo ist Gott? – Er ist nicht an einen Ort gebunden, sondern gegenwärtig.
Wo können wir ihm begegnen? – Nach der Bibel vor allem in Jesus Christus, in seinem Wort und im Glauben.
5. Und was bedeutet das für den Menschen?
Die Bibel geht noch einen Schritt weiter. Sie sagt nicht nur: „Gott existiert.“ Sie stellt die Frage: „Wie antwortest du auf Gott?“
Jesus lädt Menschen ein, ihm zu vertrauen und Gott zu suchen:
„Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan.“
— Matthäus 7,7
Damit wird aus der ursprünglichen Frage
„Wer oder was ist Gott – und wo können wir ihm begegnen?“
letztlich eine persönlichere Frage:
„Wie kann ich Gott kennenlernen – und wie kann ich ihm begegnen?“
Warum und inwiefern stehe ich skeptisch hierzu?
Nach meinem Abitur habe ich angefangen, evangelische Theologie zu studieren. Ich war recht engagiert im kirchlichen Bereich. Ich habe mit meinem damaligen Pfarrer regelmäßig Gottesdienste mit vorbereitet und diese auch mit ihm zusammen gehalten. Doch eines Tages wurde mir etwas bewusst. Worum ging es da? Es ging um folgendes: der erste Gottesdienst fand um 9:30 Uhr in der ersten Gemeinde sonntags statt. Der zweite Gottesdienst fand direkt im Anschluss daran um 10:45 Uhr in der zweiten Gemeinde statt. Beide Gottesdienste waren natürlich identisch in ihrem Ablauf. Doch was störte mich erheblich daran? Natürlich waren auch die Gebete beides mal identisch. Und da fragte ich mich natürlich: Moment mal was bedeuten diese Gebete denn? An wen sind sie eigentlich adressiert? Können sie wirklich an Gott adressiert sein - sozusagen? Wenn Gott eine Person sein soll, die Gebete erhört, dann hatte die erste Gemeinde um 9:30 Uhr doch gerade eben erst dieselben Gebete zu Gott gesprochen. Warum mussten diese Gebete jetzt also um 10:45 Uhr nochmals zu Gott oder an Gott adressiert werden...?
Bei mir warf das die Frage auf: geht es hierbei etwa um ein religiöses Theaterstück vor der Gemeinde, das der Pfarrer oder der Priester aufführt, und ist die Gemeinde lediglich Zuschauer dieses Theaterstücks?
Dieser Punkt war mitunter der Grund, warum ich immer skeptischer wurde in Bezug auf christliche Dinge, christliche Liturgie und sogar Kirche im Allgemeinen. Und natürlich änderte sich auch mein Gottesbild in erheblichem Maße, denn ich fragte mich natürlich: was bringen denn die ganzen Gebete im Laufe der Kirchengeschichte und der Menschheitsgeschichte, wenn doch trotzdem das ganze Leid, das größtenteils von uns Menschen selbst verursacht ist, passiert?
Goethe lässt in seinem bekannten Werk Faust den Hauptdarsteller Heinrich Faust in der Szene Martens Garten zu Margarete sagen: Ich will niemandem seine Religion nehmen.
Aber ich möchte trotzdem zum Ausdruck bringen, dass ich solche Aussagen ziemlich naiv finde, man könne Gott sozusagen in einem Gottesdienst finden. Es mag eine teilweise schöne Atmosphäre in einem Gottesdienst herrschen. Aber daraus zu schließen, dort Gott zu finden, finde ich ziemlich naiv.
Ich bin mitunter aus diesem Grund Deist geworden und bezeichne mich als Anhänger des Deismus.
Bei Kant gibt es auf die Frage, wo man Gott finden kann, eine überraschend klare Antwort: Gott kann man nicht einfach irgendwo in der Welt „finden“ oder mit den Sinnen erkennen.
Für Kant ist Gott kein Gegenstand möglicher Erfahrung. Unsere Erkenntnis ist auf das beschränkt, was wir erfahren können. Deshalb können wir durch Beobachtung der Natur nicht beweisen: „Hier ist Gott.“
Stattdessen kommt Gott bei Kant vor allem über die praktische Vernunft, also über das moralische Handeln, ins Spiel.
Das passt direkt zu seinem berühmten Satz:
„Der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“
Der Himmel lässt uns über die Größe und Ordnung der Natur staunen. Aber das moralische Gesetz in uns verweist für Kant auf etwas, das über die bloße Natur hinausgeht: Wir erleben uns als freie Wesen, die verpflichtet sind, moralisch zu handeln.
Wichtig ist aber eine Feinheit: Kant sagt nicht, dass man dadurch Gott wissenschaftlich beweisen könne.
Vielmehr ist Gott für ihn ein Postulat der praktischen Vernunft – eine Annahme, die im Zusammenhang mit unserem moralischen Streben sinnvoll bzw. notwendig wird.
Gott findet man bei Kant nicht „draußen“ irgendwo im Universum, sondern die Frage nach Gott stellt sich im Inneren des Menschen – in seiner Vernunft, Freiheit und seinem moralischen Bewusstsein.
Für Kant gehören „der bestirnte Himmel über mir“ und „das moralische Gesetz in mir“ zusammen: Das eine führt zur Betrachtung der Natur, das andere zur Frage nach unserer moralischen Bestimmung.
Richtig! Bei Betrachtung der Natur kann der Mensch ins Staunen über das Göttliche kommen.
Wie sieht das aber nun der Deismus?
Beim Deismus würde die Antwort eben ungefähr so lauten: Gott findet man nicht in bestimmten heiligen Orten oder durch Offenbarung, sondern vor allem in der vernünftig erkennbaren Ordnung der Natur.
Wo ist Gott für einen Deisten?
Deisten gehen typischerweise davon aus, dass Gott die Welt geschaffen und ihr eine vernünftige Ordnung gegeben hat. Danach greift Gott nicht ständig durch Wunder oder besondere Offenbarungen in die Welt ein. Auch gehen Deisten davon aus, dass Gott nicht auf Gebete reagiert.
Deshalb schaut der Deist auf die Natur und ihre Gesetzmäßigkeiten:
„Wenn du Gott finden willst, betrachte die Schöpfung und benutze deine Vernunft.“
Die Ordnung des Universums kann für den Deisten ein Hinweis auf einen vernünftigen Schöpfer sein.
Gott ist für Deisten nicht unbedingt in einer bestimmten Kirche zu finden.
Deisten brauchen keine besondere Offenbarung wie etwa eine heilige Schrift, um von Gott zu wissen.
Wunder und übernatürliche Eingriffe werden meist abgelehnt oder zumindest nicht als Grundlage des Gottesglaubens benötigt.
Der Mensch kann durch Vernunft und Beobachtung der Natur zu religiösen Einsichten gelangen.
Moralische Grundsätze können ebenfalls durch die Vernunft erkannt werden.
Kant steht dem Deismus teilweise nahe, geht aber philosophisch noch einen Schritt weiter. Er würde davor warnen, aus der Ordnung des Himmels einfach einen wissenschaftlichen Beweis für Gottes Existenz abzuleiten.
Man könnte den Unterschied vereinfacht so darstellen:
Deist:
Ich sehe die Ordnung des Universums → sie weist auf einen vernünftigen Schöpfer hin.
Kant:
Ich sehe die Ordnung des Universums → das bringt mich zum Nachdenken über Gott.
Ich erkenne das moralische Gesetz in mir → hier liegt für mich die tiefere Bedeutung des Gottesgedankens.
Kant sagt also letztlich: Gott ist nicht ein Gegenstand, den wir irgendwo im Himmel empirisch auffinden können. Die Frage nach Gott wird für ihn vor allem durch die Vernunft und Moral relevant.
Ich würde insofern sagen:
Immanuel Kant (1724 - 1804) ist für mich als Deist sehr sympathisch.
Menschen brauchen scheinbar ihr "Theater'... Aber ich sehe die Aussage, Gott im Gottesdienst zu finden, skeptisch. Gottesdienste werden oftmals liturgisch sehr schön begangen. Damals fand ich das alles nachvollziehbar.
Ich würde das im Nachhinein allerdings als eine theologische Form einer Ideologie bezeichnen, also eine bestimmte Form der Deutung.
Vielleicht bin ich hierbei auch ein gebranntes Kind oder anders ausgedrückt: Minimalist!
Ich bezeichne eben den Deismus unter anderem auch als maximale Reduktion des (christlichen) Monotheismus, und insofern ist der Deismus die minimale Version von Formen des Monotheismus.
Während der Monotheismus in seiner Offenbarungstheologie zum Ausdruck bringt: "Das ist Gott", fragt der Deismus eher: "Was ist Gott?" Der Deismus regt eher zum philosophischen Fragen und zu einer Diskussion an. Er ist weniger darauf aus, die Fragen nach Gott abschließend beantworten zu wollen. Letzteres ist mir dann doch angenehmer, denn ich finde, Gott ist das größte Mysterium, und niemand weiß wirklich, wo, wer oder was Gott ist bzw. wie man ihm begegnen kann.
Insofern möchte ich diese Gedanken abschließen mit 1. Korinther 13:
1 Wenn ich in den Sprachen[1] der Menschen und der Engel rede, aber keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel.
2 Und wenn ich Weissagung[2] habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, und wenn ich allen Glauben habe, sodass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts.
3 Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung ⟨der Armen⟩ austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne[3], aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts.
4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig, sie neidet nicht[4], die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf,
5 sie benimmt sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu[5],
6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; sondern sie freut sich mit der Wahrheit,
7 sie erträgt alles[6], sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.
8 Die Liebe vergeht niemals; seien es aber Weissagungen[7], sie werden weggetan werden; seien es Sprachen[8], sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden.
9 Denn wir erkennen stückweise, und wir weissagen[9] stückweise;
10 wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden.
11 Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind, urteilte wie ein Kind; als ich ein Mann wurde, tat ich weg, was kindlich war.
12 Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels[10] undeutlich[11], dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen[12], wie auch ich erkannt[13] worden bin.
13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte[14] aber von diesen ist die Liebe.
Paulus hält insofern die Liebe für das Größte.
Wir fragen deswegen abschließend nach dem Begriff "Liebe".
Was ist Liebe?
Liebe bedeutet (nach meiner Definition):
"Für jemanden oder etwas an positiver Energie übrig zu haben und diese Energie womöglich in eine positive Handlung zu verwandeln."
Ist Liebe mehr ein Gefühl, ein Zustand, eine Handlung, ein Verhalten oder lediglich ein Gedanke?
Liebe kennt die ganze Welt; allen Menschen ist der Begriff "Liebe" vertraut.
So selbstverständlich der Begriff "Liebe" für die einen ist, so kompliziert und schwer erklärbar ist er für die anderen.
Die einen "tun" es, die anderen denken darüber nach.
Wikipedia schreibt in seinen ersten beiden Absätzen zum Begriff "Liebe" (Link: hier):
"Liebe (über mittelhochdeutsch liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes“ von indogermanisch *leubh- gern, lieb haben, begehren[1]) ist eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung.
Nach engerem und verbreitetem Verständnis ist Liebe ein starkes Gefühl, mit der Haltung inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person (oder Personengruppe), die den Zweck oder den Nutzen einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine entgegenkommende tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Das Gefühl der Liebe kann unabhängig davon entstehen, ob es erwidert wird oder nicht. Hierbei wird zunächst nicht unterschieden, ob es sich um eine tiefe Zuneigung innerhalb eines Familienverbundes (Elternliebe, Geschwisterliebe) oder um eine Geistesverwandtschaft handelt (Freundesliebe, Partnerschaft) oder aber um ein körperliches Begehren gegenüber einem anderen Menschen (Eros). Dieses Begehren ist als körperliche Liebe eng mit der Sexualität verbunden, die jedoch nicht unbedingt auch ausgelebt zu werden braucht (vgl. platonische Liebe)."
Liebe ist ... ?
Der Duden (Link: hier) führt zum Begriff "Liebe" folgende Aspekte an:
1a) starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] MenschenBeispiele:
- mütterliche, kindliche, reine, innige Liebe
- die Liebe der Eltern
- seine Liebe zu ihr war groß
- Gottes Liebe
- um Liebe bitten, flehen
1b) auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein, Hingabe o. Ä.
Beispiele:
- die wahre, große Liebe
- eine heimliche, leidenschaftliche Liebe
- eheliche, gleichgeschlechtliche, platonische Liebe
- eine Liebe unter Männern
- seine Liebe zu ihr erlosch, erkaltete
- sie erwiderte seine Liebe nicht
- jemandem seine Liebe gestehen, zeigen, beteuern, verheimlichen
- [keine] Liebe für jemanden empfinden, fühlen
- jemandem Liebe schwören
- aus Liebe heiraten
1c) sexueller Kontakt, Verkehr
Beispiele:
- käufliche Liebe (Prostitution)
- Liebe machen (umgangssprachlich; koitieren; Lehnübersetzung von englisch to make love)
2) gefühlsbetonte Beziehung zu einer Sache, Idee o. Ä.
Beispiele:
- die Liebe zur Kunst, zum Geld, zum Beruf
- ihre Liebe zum Detail
- meine ganze Liebe gehört dem Meer
- aus Liebe zur Sache
3) Gefälligkeit; freundschaftlicher Dienst
Beispiele:
- jemandem eine Liebe erweisen
- tu mir die Liebe und geh zu ihr
4) geliebter Mensch
Beispiel:
- sie war meine erste, große Liebe, ist eine alte Liebe von mir
Ich möchte folgende Beispiele an Aspekten anführen:
1.) Erich Fried, Was es ist (Link zu einer Rezitation in YouTube: WAS ES IST - ERICH FRIED)
2.) 1. Kor. 13, 1- 8a (Link zu einer Rezitation in YouTube: Briefe von Paulus: 1. Korinther 13, 1 - 8a)
3.) ubi caritas et amor deus ibi est. - Wo Fürsorge und Liebe sind, da ist Gott. (Link zu YouTube: VOCES8: Ubi Caritas by Ola Gjeilo )
4.) bunt, pluralistisch, tolerant, einsichtig, freiwillig
Ich bin auch ein Anhänger der Dialektik nach Hegel.
These: "Das ist Gott!" (Monotheismus).
Antithese: "Woher weiß ich das?" / "Es gibt keinen Gott!" (Atheismus).
Wie könnte daraus eine Synthese abgeleitet werden?
Synthese: "Lass(t) uns gemeinsam über Gott philosophisch nachdenken!"
An dieser Stelle sei auch die "Pascal'sche Wette" erwähnt: Die pascalsche (oder Pascal’sche) Wette ist Blaise Pascals berühmtes Argument für den Glauben an Gott. Pascal argumentiert, es sei stets eine bessere „Wette“, an Gott zu glauben, weil der Erwartungswert des Gewinns, der durch Glauben an einen Gott erreicht werden könne, stets größer sei als der Erwartungswert im Fall des Unglaubens.
Viele Menschen streiten über Gott und über die Frage: Wer oder was ist Gott – und wo, wann bzw. wie können wir ihm begegnen?
Ich finde den bekannten biblischen Satz in diesem Zusammenhang herausragend:
"Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst."
Evangelium nach Markus 12, 28-34:
28 Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie miteinander stritten, trat hinzu, und da er wusste, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches Gebot ist das erste von allen?
29 Jesus antwortete ihm: Das erste ist: »Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr;
30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!«
31 Das zweite ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!« Größer als diese ist kein anderes Gebot.
32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Recht, Lehrer, du hast nach der Wahrheit geredet; denn er ist einer, und es ist kein anderer außer ihm;
33 und ihn zu lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist viel mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer.
34 Und als Jesus sah, dass er verständig geantwortet hatte, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich[11] Gottes. Und es wagte niemand mehr, ihn zu befragen.
34 Als aber die Pharisäer hörten, dass er den Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich.
35 Und einer von ihnen, ein Lehrer des Gesetzes, versuchte ihn und fragte:
36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
37 Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
38 Dies ist das höchste und erste Gebot.
39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«
40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Wir kommen von Liebe, und wir gehen zur Liebe hin, und auch während unseres Lebens sollte die Liebe das Höchste sein.
Wir finden Gott in Gott selbst.
"Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels[10] undeutlich[11], dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen[12], wie auch ich erkannt[13] worden bin. 13 Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Größte[14] aber von diesen ist die Liebe." (1. Korinther 13,12.13)
Vielleicht meint 1. Korinther 13,12.13 genau dieses:
Jetzt in der Gegenwart und im irdischen Sein bleibt uns als Höchstes die Liebe. Im Jetzt und im irdischen Sein betrachten wir Gott in der Liebe. Wir begegnen ihm in der Liebe und wir sehen ihn auch als Liebe.
Irgendwann werden wir - so hoffen wir - zu Gott selbst finden, Gott begegnen.
Viele betrachten das als Metaphysik (um nicht zu sagen: als Hokus Pokus oder als Nonsense).
Manch einem ist das völlig egal, und von Wissen kann dabei auch keine Rede sein.
Christinnen und Christen vertrauen darauf, dass sie Gott u. a. bereits jetzt im "Brot und Wein" erfahren und eucharistisch in der Feier des Abendmahls empfangen.
Ja!
Wir hoffen - Wir vertrauen. Viele Menschen hoffen. Viele Menschen vertrauen darauf, dass sie einst Gott empfangen, ihm begegnen und ihn erfahren.
Die Fragen "Wer oder was ist Gott – und wo, wann bzw. wie können wir ihm begegnen?" bleiben insofern dem Bereich der Metaphysik (Spekulation) vorenthalten. Religionen versuchen Antworten auf diese Fragen zu geben und daraus eine Theologie in Form von Dogmatik und Ethik bzw. einer Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) zu entwickeln.
Zusammenfassend antworte ich dementsprechend auf die Frage (Wer oder was ist Gott – und wo, wann bzw. wie können wir ihm begegnen?) in Form von 10 Thesen:
These 1: Alle Antworten auf diese Frage(n) sind subjektiv und individuell verschieden. Jede(r) wird diese Frage(n) etwas anders beantworten.
These 2: Ich brauche keine Autorität (z. B. die Institution Kirche), die mir diese Frage(n) beantwortet.
These 3: Es gibt kein gesichertes Wissen auf diese Frage(n) nach Gott.
These 4: Jede Antwort auf diese Frage(n) gehört zur Spekulation (Metaphysik).
These 5: Anhand der Natur (Schöpfung) und durch die Naturwissenschaft können wir auf etwas "Höheres" schließen, nicht in Form eines Beweises, sondern in Form einer Vermutung bzw. in Form des Glaubens (Kant: in Form eines Postulates).
These 6: Die Bibel, die monotheistischen Religionen und viele Theologen haben versucht, dogmatisch diese Frage(n) nach Gott zu beantworten. Diese Versuche sind ebenfalls lediglich als individuell bzw. als subjektiv einzustufen.
These 7: Eine Antwort auf die Frage (Wer oder was ist Gott – und wo, wann bzw. wie können wir ihm begegnen?) können wir deswegen nicht abschließend geben.
These 8: Wir stammeln, wir kommen ins Stottern und stolpern auch, wenn wir etwas von Gott sagen wollen. Wir kommen in Widersprüche und auch in Berührung mit dem Widerspruch, der vom Atheismus ausgeht.
These 9: Ich neige zur Aussage: Gott ist Gott. Muss, kann, darf mehr über Gott gesagt werden?
These 10: Wir können und wir sollten gemeinsam auf philosophische Weise über Gott nachdenken. Niemand sollte aber einen Anspruch in Bezug auf Gott erheben: weder in Bezug auf das Postulat Gottes (Religionen, Bibel, Monotheismus, Kirche etc.) noch auf eine Negierung (Ablehnung) Gottes (Atheismus).
Rainer Langlitz